Ratgeber

Nährstoffe und Düngen

4 Min. LesezeitAktualisiert am 18. August 2026

Warum am Anfang gar nicht gedüngt wird

Vorgedüngte Erde enthält genug Nährstoffe für zwei bis vier Wochen. Ein frisch umgetopfter Steckling hat junge Wurzeln, die auf hohe Salzkonzentrationen empfindlich reagieren. Zusätzlicher Dünger in dieser Phase verbrennt die Wurzelspitzen, statt zu helfen.

Das Signal zum Start ist die Pflanze selbst: Wenn die unteren Blätter gleichmäßig heller werden und das Wachstum nachlässt, ist die Vordüngung aufgebraucht.

NPK verständlich

Die drei Zahlen auf jeder Düngerflasche stehen für Stickstoff (N), Phosphor (P) und Kalium (K):

  • Stickstoff treibt Blatt- und Triebwachstum. Wird im Wachstum gebraucht, in der Blüte zurückgefahren.
  • Phosphor unterstützt Wurzeln und Blütenbildung. Wird in der Blüte wichtiger.
  • Kalium steuert den Wasserhaushalt und die Widerstandsfähigkeit. Durchgehend nötig, in der Blüte mehr.

Dazu kommen Spurenelemente wie Magnesium, Calcium und Eisen. In guter Cannabiserde sind sie enthalten; bei sehr weichem Wasser kann Calcium-Magnesium fehlen.

Wachstum gegen Blüte

 WachstumsphaseBlütephase
SchwerpunktStickstoffPhosphor + Kalium
Typisches NPKetwa 3-1-2etwa 1-3-3
Beginn2–4 Wochen nach dem Umtopfenab Umstellung auf 12/12
Rhythmusjede zweite Gießrundejede zweite Gießrunde

Der Wechsel erfolgt nicht abrupt: In den ersten ein bis zwei Blütewochen streckt sich die Pflanze noch und braucht weiterhin Stickstoff.

Überdüngung erkennen

Die klassischen Zeichen sind verbrannte, braune Blattspitzen und -ränder, dunkelgrüne, glänzende Blätter und nach unten gekrümmte Spitzen — der sogenannte Klauenwuchs.

Gegenmaßnahme: Mit der doppelten üblichen Wassermenge klar durchspülen, damit Salze ausgewaschen werden. Anschließend mindestens zwei Gießrunden ohne Dünger.

Bereits verbrannte Blätter erholen sich nicht — der Erfolg zeigt sich am neuen Wachstum.

Warum die halbe Dosis

Herstellerangaben sind auf optimale Bedingungen und kräftige Pflanzen ausgelegt. Für einen einzelnen Steckling in vorgedüngter Erde sind sie meist zu hoch. Mit der halben Dosis zu beginnen und bei Bedarf zu steigern ist der sichere Weg — Unterdüngung lässt sich in Tagen korrigieren, Überdüngung kostet Wochen.

Mangel oder Überschuss?

SymptomWahrscheinliche Ursache
Untere Blätter gleichmäßig gelbStickstoffmangel
Braune Blattspitzen und -ränderÜberdüngung
Gelb zwischen grünen BlattadernMagnesiummangel
Dunkelgrün, Spitzen nach untenzu viel Stickstoff
Mangelbild trotz DüngungpH-Wert außerhalb 6,0–6,5

Die letzte Zeile ist wichtig: Bei falschem pH-Wert kann die Pflanze vorhandene Nährstoffe nicht aufnehmen. Mehr Dünger verschlimmert das. Siehe Cannabis richtig gießen.

Spülen vor der Ernte

In den letzten ein bis zwei Wochen wird nur noch mit klarem Wasser gegossen. Das entzieht dem Substrat die restlichen Salze und wirkt sich auf Geschmack und Verbrennungsverhalten aus. Die Pflanze zehrt in dieser Zeit von eingelagerten Reserven — dass untere Blätter dabei vergilben, ist normal.

Organisch oder mineralisch

 OrganischMineralisch
Wirkunglangsam, über Bodenlebenschnell, direkt verfügbar
Fehlertoleranzhochgering
Steuerbarkeitgeringhoch
Überdüngungsrisikoniedrighoch
Für Einsteigerempfohleneher nicht

Für den ersten Durchgang in Erde ist organisch die entspanntere Wahl: Fehler wirken sich langsamer und milder aus. Mineralische Dünger spielen ihre Stärke aus, wenn gezielt nachgesteuert werden soll.

Wie du eine Düngergabe ansetzt

  1. Gießwasser abmessen und auf pH 6,0–6,5 einstellen.
  2. Dünger in der halben Herstellerdosis zugeben und umrühren.
  3. Erst gießen, wenn die Erde oben abgetrocknet ist — nie auf staubtrockenes Substrat düngen.
  4. Beim nächsten Mal nur mit klarem Wasser gießen.
  5. Nach zwei bis drei Gaben bewerten und bei Bedarf leicht erhöhen.

Der Wechsel zwischen Dünger- und Klarwassergabe verhindert, dass sich Salze im Substrat anreichern. Wie das mit dem Gießrhythmus zusammenspielt, steht unter Cannabis richtig gießen.

Warum der pH-Wert wichtiger ist als die Menge

Nährstoffe sind nur in einem bestimmten pH-Bereich pflanzenverfügbar. Liegt der Wert daneben, hilft mehr Dünger nicht — er verschärft das Problem sogar, weil die Salzkonzentration steigt, während die Aufnahme blockiert bleibt.

Deshalb die Reihenfolge bei Mangelsymptomen: erst pH prüfen, dann Gießverhalten, dann Düngung. Wer diese Reihenfolge umdreht, düngt in ein Problem hinein, das keines ist.

Was in welcher Phase gebraucht wird

  • Woche 1–2 nach dem Umtopfen: nichts. Die Vordüngung der Erde trägt.
  • Wachstumsphase: stickstoffbetont, jede zweite Gießrunde.
  • Streckungsphase: Übergang, Stickstoff noch nicht ganz zurücknehmen.
  • Blüte: phosphor- und kaliumbetont.
  • Letzte 1–2 Wochen: nur klares Wasser.

Welche Erde wie lange vordüngt und woran du das Ende der Reserve erkennst, steht unter Welche Erde für Cannabis-Stecklinge.

Häufige Fragen

Muss ich einen frisch umgetopften Steckling sofort düngen?
Nein. Vorgedüngte Erde versorgt die Pflanze zwei bis vier Wochen. Zusätzlicher Dünger überlastet in dieser Zeit die jungen Wurzeln, statt zu helfen. Das Signal zum Start gibt die Pflanze: Werden die unteren Blätter gleichmäßig heller und lässt das Wachstum nach, ist die Reserve aufgebraucht.
Woran erkenne ich, dass ich überdüngt habe?
An verbrannten, braunen Blattspitzen und -rändern, dunkelgrün glänzenden Blättern und nach unten gekrümmten Spitzen. Spüle mit der doppelten üblichen Wassermenge klar durch und setze anschließend mindestens zwei Gießrunden ohne Dünger aus. Bereits verbrannte Blätter erholen sich nicht — der Erfolg zeigt sich am neuen Wachstum.
Organisch oder mineralisch — was ist für den ersten Durchgang besser?
Für den ersten Durchgang in Erde ist organischer Dünger die entspanntere Wahl. Er wirkt langsamer über das Bodenleben, verzeiht Fehler deutlich besser und macht Überdüngung unwahrscheinlich. Mineralische Dünger sind schneller und genauer steuerbar, dafür weniger fehlertolerant.

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