Ratgeber

Nährstoffe und Düngen

4 Min. LesezeitAktualisiert am 13. Oktober 2026

Warum am Anfang gar nicht gedüngt wird

Vorgedüngte Erde wie der All-Mix enthält genug Nährstoffe für zwei bis vier Wochen.
Nicht vorgedüngte Erde wie der Light-Mix hat für die ersten 1-2 mal gießen auch genügend Nährstoffe für Stecklinge und Jungpflanzen.

Die drei Zahlen auf jeder Düngerflasche stehen für Stickstoff (N), Phosphor (P) und Kalium (K):

  • Stickstoff treibt Blatt- und Triebwachstum. Wird im Wachstum gebraucht, in der Blüte zurückgefahren.
  • Phosphor unterstützt Wurzeln und Blütenbildung. Wird in der Blüte wichtiger.
  • Kalium steuert den Wasserhaushalt und die Widerstandsfähigkeit. Durchgehend nötig, in der Blüte mehr.

Dazu kommen Spurenelemente wie Magnesium, Calcium und Eisen. In guter Cannabiserde sind sie enthalten; bei sehr weichem Wasser kann Calcium-Magnesium fehlen.

Wachstum gegen Blüte

WachstumsphaseBlütephase
SchwerpunktStickstoffPhosphor + Kalium
BeginnSiehe Düngeschemasiehe Düngeschema
RhythmusRegelmäßigBis 2 Wochen vor Ernte

Der Wechsel erfolgt nicht abrupt: In den ersten ein bis zwei Blütewochen streckt sich die Pflanze noch und braucht weiterhin Stickstoff.
Auch hier bietet das Düngeschema die richtige Orientierung an der Düngermenge

Überdüngung erkennen

Die klassischen Zeichen sind verbrannte, braune Blattspitzen und -ränder, dunkelgrüne, glänzende Blätter und nach unten gekrümmte Spitzen — der sogenannte Klauenwuchs.

Gegenmaßnahme: Mit der doppelten üblichen Wassermenge klar durchspülen, damit Salze ausgewaschen werden. Anschließend mindestens zwei Gießrunden ohne Dünger. Besonders wichtig ist hierbei, auf den pH-Wert zu achten. Ohne Dünger hat normales Leitungswasser meist einen pH-Wert von über 8.
Einen pH-Wert von 6-6,5 benötigt die Pflanze zur Aufnahme der Nährstoffe.

Bereits verbrannte Blätter erholen sich nicht — der Erfolg zeigt sich am neuen Wachstum.

Mangel oder Überschuss?

SymptomWahrscheinliche Ursache
Untere Blätter gleichmäßig gelbStickstoffmangel
Braune Blattspitzen und -ränderÜberdüngung
Gelb zwischen grünen BlattadernMagnesiummangel
Dunkelgrün, Spitzen nach untenzu viel Stickstoff
Mangelbild trotz DüngungpH-Wert außerhalb 6,0–6,5

Die letzte Zeile ist wichtig: Bei falschem pH-Wert kann die Pflanze vorhandene Nährstoffe nicht aufnehmen. Mehr Dünger verschlimmert das. Siehe Cannabis richtig gießen.

Spülen vor der Ernte

In den letzten ein bis zwei Wochen wird nur noch mit klarem Wasser gegossen. Das entzieht dem Substrat die restlichen Salze und wirkt sich auf Geschmack und Verbrennungsverhalten aus. Die Pflanze zehrt in dieser Zeit von eingelagerten Reserven — dass untere Blätter dabei vergilben, ist normal.

Organisch oder mineralisch

OrganischMineralisch
Wirkunglangsam, über Bodenlebenschnell, direkt verfügbar
Fehlertoleranzhochgering
Steuerbarkeitgeringhoch
Überdüngungsrisikoniedrighoch
Für Einsteigerempfohleneher nicht

Für den ersten Durchgang in Erde ist organisch die entspanntere Wahl: Fehler wirken sich langsamer und milder aus. Mineralische Dünger spielen ihre Stärke aus, wenn gezielt nachgesteuert werden soll.

Wie du eine Düngergabe ansetzt

  1. Am besten abgestandenes Leitungswasser mit Zimmertemperatur zum Gießen nehmen.
  2. Dünger nach Angaben des Herstellers (Dünge-Schema) hinzufügen
  3. PH-Wert einstellen mit Zusätzen wie pH+ oder pH- (ideal 6,0-6,5)
  4. Darauf achten, dass nicht bei sehr nasser Erde (schwerer Topf) gegossen wird, um nicht zu überwässern.
  5. Bei Anzeichen von Überdüngung das Düngen aussetzen und nur klares Wasser mit richtigem pH-Wert verwenden.

Warum der pH-Wert wichtiger ist als die Menge

Nährstoffe sind nur in einem bestimmten pH-Bereich pflanzenverfügbar. Liegt der Wert daneben, hilft mehr Dünger nicht — er verschärft das Problem sogar, weil die Salzkonzentration steigt, während die Aufnahme blockiert bleibt.

Deshalb die Reihenfolge bei Mangelsymptomen: erst pH prüfen, dann Gießverhalten, dann Düngung. Wer diese Reihenfolge umdreht, düngt in ein Problem hinein, das keines ist. Bei vielen Düngern wie z.B. von BioBizz erfolgt beim Anmischen auch eine Senkung des pH-Werts der für die Pflanzen gut oder zumindest erträglich ist. Messen und anpassen ist trotzdem empfehlenswert.

Was in welcher Phase gebraucht wird

  • Woche 1–2 nach dem Umtopfen: Bei vorgedüngter Erde micht sonst nach Schema.
  • Wachstumsphase: stickstoffbetont, jede zweite Gießrunde (siehe Schema).
  • Streckungsphase: Übergang, Stickstoff noch nicht ganz zurücknehmen.
  • Blüte: phosphor- und kaliumbetont.
  • Letzte 1–2 Wochen: nur klares Wasser.

Insgesamt sollte sich an das Düngeschema vom Hersteller des Düngers gehalten werden und nur bei z.B. anderer Erde selbst angepasst werden.
Wie die Unterschiede von vorgedüngter und kaum gedüngter Erde sind und woran du das Ende der Reserve erkennst, steht unter Welche Erde für Cannabis-Stecklinge.

Häufige Fragen

Muss ich einen frisch umgetopften Steckling sofort düngen?
Nein. Die ersten 1-2 mal Gießen solltest du nur klares Wasser nehmen, aber auf den pH-Wert achten.
Woran erkenne ich, dass ich überdüngt habe?
An verbrannten, braunen Blattspitzen und -rändern, dunkelgrün glänzenden Blättern und nach unten gekrümmten Spitzen. Spüle mit der doppelten üblichen Wassermenge klar durch und setze anschließend bei mindestens zwei Gießrunden den Dünger aus. Bereits verbrannte Blätter erholen sich nicht — der Erfolg zeigt sich am neuen Wachstum.
Organisch oder mineralisch — was ist für den ersten Durchgang besser?
Für den ersten Durchgang in Erde ist organischer Dünger die entspanntere Wahl. Er wirkt langsamer über das Bodenleben, verzeiht Fehler deutlich besser und macht Überdüngung unwahrscheinlich. Mineralische Dünger sind schneller und genauer steuerbar, dafür weniger fehlertolerant und erfordern mehr vorsicht beim pH-Wert.

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