Ratgeber

Cannabis richtig gießen

5 Min. LesezeitAktualisiert am 18. August 2026

Anzuchtschale mit feuchtem Substrat und gelber Giesskanne auf einem Gartentisch

Warum zu viel Wasser gefährlicher ist als zu wenig

Wurzeln brauchen Sauerstoff. Steht die Erde dauerhaft nass, verdrängt Wasser die Luft aus den Poren, die Wurzeln ersticken und faulen. Das Tückische daran: Eine überwässerte Pflanze sieht aus wie eine durstige — hängende Blätter, schlaffer Stand. Wer dann nachgießt, beschleunigt das Problem.

Eine unterversorgte Pflanze erholt sich innerhalb von Stunden nach dem Gießen. Eine überwässerte braucht Tage und verliert oft Wurzelmasse.

Die Gewichtsprobe schlägt jeden Gießplan

Feste Intervalle funktionieren nicht, weil der Bedarf mit Pflanzengröße, Temperatur, Luftfeuchte und Topfgröße schwankt. Verlässlicher ist das Gewicht:

  1. Wiege oder hebe den Topf direkt nach dem Gießen — das ist „voll“.
  2. Hebe ihn nach zwei bis drei Tagen erneut.
  3. Wenn er sich deutlich leichter anfühlt, wird gegossen.

Ergänzend die Fingerprobe: Zwei bis drei Zentimeter tief in die Erde — fühlt es sich dort trocken an, ist der Zeitpunkt da.

Über- und Untergießen unterscheiden

MerkmalZu viel WasserZu wenig Wasser
Blätterschlaff, dunkelgrün, oft eingerolltschlaff, trocken, papierartig
Erdedauerhaft feucht, evtl. muffigtrocken, löst sich vom Topfrand
Topfgewichtschwerauffallend leicht
Erholung nach Gießenkeine oder verschlechtertbinnen Stunden
Wachstumsteht stillverlangsamt

Wie viel Wasser

Als Richtwert gießt du etwa 20 Prozent des Topfvolumens — bei 15 Litern also rund drei Liter. Etwas Wasser soll unten austreten, das spült überschüssige Salze aus. Was im Untersetzer stehen bleibt, wird nach spätestens 30 Minuten weggeschüttet.

Bei frisch umgetopften Stecklingen gilt eine Ausnahme: Solange der Wurzelballen klein ist, gießt du nur in seinem Umkreis, nicht über die ganze Topffläche. Sonst bleibt die Erde ringsum nass, ohne dass die Wurzeln sie erreichen.

Wasserqualität und pH-Wert

Leitungswasser ist in Deutschland fast überall geeignet. Der pH-Wert liegt allerdings häufig bei 7,5 bis 8,0, während Cannabis in Erde zwischen 6,0 und 6,5 am besten aufnimmt. Über Wochen verschiebt sich der Wert im Topf nach oben — es entstehen Mangelsymptome, obwohl genug Nährstoffe vorhanden sind.

Ein einfaches pH-Messgerät und pH-Minus lösen das. Wer sehr hartes Wasser hat, lässt es über Nacht stehen oder mischt mit destilliertem Wasser.

Staunässe erkennen und beheben

Anzeichen sind dauerhaft feuchte Erde, ein muffiger Geruch, Trauermücken über der Oberfläche und Stillstand im Wachstum. Vorgehen:

  1. Sofort das Gießen einstellen.
  2. Prüfen, ob die Abzugslöcher frei sind.
  3. Untersetzer leeren.
  4. Luftbewegung erhöhen, damit die Oberfläche abtrocknet.
  5. Erst wieder gießen, wenn der Topf spürbar leicht ist.

Vorbeugend hilft ein Substrat mit 10 bis 20 Prozent Perlite — mehr dazu unter Welche Erde für Cannabis-Stecklinge.

Gießen in der Blüte

Der Bedarf steigt mit der Blattmasse deutlich. Gleichzeitig sinkt die Toleranz für hohe Luftfeuchte, weil dichte Blüten sonst schimmeln. Gieße deshalb eher morgens, damit die Oberfläche über den Tag abtrocknet, und halte die Luft in Bewegung.

In den letzten ein bis zwei Wochen wird häufig nur noch mit klarem Wasser gegossen, um Nährstoffreste auszuspülen — siehe Nährstoffe und Düngen.

Wie sich der Bedarf über die Phasen verändert

PhaseBedarfTypischer Rhythmus
Erste Tage nach dem Umtopfensehr geringnur angießen, dann warten
Wachstumsphasesteigendalle 2–4 Tage
Streckungsphasehochalle 1–2 Tage
Blütehoch, aber gleichmäßigalle 1–2 Tage
Letzte Wochenhoch, nur klares Wasseralle 1–2 Tage

Die Angaben sind Anhaltspunkte, keine Vorschrift. Eine große Pflanze im kleinen Topf bei 28 Grad braucht täglich Wasser, dieselbe Pflanze bei 20 Grad im großen Topf deutlich seltener.

Warum Gießen und Düngen zusammenhängen

Nährstoffe erreichen die Wurzeln nur gelöst im Wasser. Wer zu selten gießt, unterbricht damit auch die Nährstoffversorgung — Mangelsymptome entstehen dann trotz ausreichender Düngung.

Umgekehrt spült zu häufiges Gießen mit großen Mengen die Nährstoffe aus dem Substrat. Beides sieht am Blatt ähnlich aus. Wer ein Mangelbild sieht, sollte deshalb zuerst Gießverhalten und pH-Wert prüfen, bevor er mehr düngt — siehe Nährstoffe und Düngen.

Der pH-Wert im Verlauf

Leitungswasser mit pH 7,5 bis 8,0 hebt den Wert im Topf über die Wochen an. Ab etwa pH 7 nimmt die Pflanze Eisen und Mangan schlechter auf, was sich als Aufhellung zwischen den Blattadern junger Blätter zeigt.

Die Korrektur ist einfach: Gießwasser vor der Gabe auf 6,0 bis 6,5 einstellen. Ein Messgerät und pH-Minus kosten zusammen weniger als eine LED-Lampe und lösen einen großen Teil der typischen Probleme. Welche Erde einen stabilen Ausgangswert mitbringt, steht unter Welche Erde für Cannabis-Stecklinge.

Gießen bei Hitze und im Urlaub

An heißen Tagen morgens gießen, nicht mittags. Wasser auf Blättern wirkt in der Sonne wie eine Linse und kann Verbrennungen verursachen; abends begünstigt Feuchtigkeit über Nacht Pilzbefall.

Für kurze Abwesenheiten helfen ein größerer Topf, eine Mulchschicht auf der Erde und ein schattigerer Standort. Automatische Systeme lohnen sich erst bei mehreren Pflanzen. Weitere typische Fehler stehen unter Die häufigsten Anfängerfehler.

Häufige Fragen

Wie oft muss ich gießen?
Es gibt keinen festen Rhythmus. Der Bedarf schwankt mit Pflanzengröße, Temperatur, Luftfeuchte und Topfgröße. Verlässlich ist die Gewichtsprobe: Hebe den Topf an — fühlt er sich deutlich leichter an als direkt nach dem Gießen, ist es Zeit. Ergänzend die Fingerprobe zwei bis drei Zentimeter tief.
Meine Pflanze hängt, obwohl die Erde feucht ist — soll ich mehr gießen?
Nein. Eine überwässerte Pflanze sieht aus wie eine durstige, weil die Wurzeln in nasser Erde keinen Sauerstoff bekommen. Nachgießen beschleunigt das Problem. Stelle das Gießen ein, bis der Topf spürbar leicht ist, prüfe die Abzugslöcher und leere den Untersetzer.
Kann ich normales Leitungswasser verwenden?
Ja, Leitungswasser ist in Deutschland fast überall geeignet. Sein pH-Wert liegt aber häufig bei 7,5 bis 8,0, während Cannabis in Erde zwischen 6,0 und 6,5 am besten aufnimmt. Über Wochen verschiebt sich der Wert im Topf nach oben und es entstehen Mangelsymptome trotz ausreichender Düngung. Ein pH-Messgerät und pH-Minus lösen das.

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