Ratgeber
Cannabis-Stecklinge indoor anbauen
Was du wirklich brauchst
Die Grundausstattung ist überschaubar: eine LED-Lampe, ein Topf mit Löchern (Wasserablauf), Erde (am besten speziell für Cannabis) und Dünger. Zusätzlich wären bei Growtzelten Abluft, ein Ventilator für Luftbewegung und ein Hygrometer wichtig. Alles andere ist Komfort.
Eine Growbox ist kein Muss, macht aber vieles einfacher: Licht bleibt drinnen, Geruch bleibt drinnen, und das Klima lässt sich kontrollieren. Für drei Pflanzen — die gesetzliche Höchstzahl — ist ein Zelt mit mindestens 80 × 80 cm ein sinnvoller Einstieg. Die Höhe sollte mindestens 1,80m betragen, da die Lampe auch noch Platz braucht. Bei klein wachsenden Pflanzen ist auch weniger Höhe vertretbar.
Licht: Dauer, Leistung, Abstand
In der Wachstumsphase wird 18 Stunden Licht zu 6 Stunden Dunkelheit empfohlen, in der Blüte 12 Stunden Licht und 12 Stunden Dunkelheit. Entscheidend ist die tatsächliche Leistungsaufnahme, nicht die beworbene „Vergleichsleistung“: Für eine Pflanze sind 100 bis 150 Watt realistisch.
Beim Abstand beginnst du mit 40 bis 50 cm und gehst schrittweise näher, sobald die Pflanze kräftiger wird. Zu nahes Licht zeigt sich an aufgestellten, gebleichten Blattspitzen direkt unter der Lampe — dann sofort Abstand vergrößern.
Für die Dunkelphase gilt: wirklich dunkel. Schon ein wenig Licht kann die Dunkelphase stören und damit die Blüte.
Topfgröße bei begrenzter Höhe
Indoor bestimmt die Topfgröße mit, wie groß die Pflanze wird. 10 bis 18 Liter sind der übliche Rahmen. Wer wenig Höhe hat, wählt eher 8 bis 12 Liter und leitet die Blüte früher ein — die Pflanze streckt sich danach meist merklich. Dieser Stretch kann bis zu 400% der Ursprungsgröße betragen.
Welche Sorten sich indoor eignen
Es eignen sich alle Pflanzen für Indoor. Kompakte, indica-dominante Sorten mit Wuchshöhen bis etwa 130 cm sind für kleine Zelte und Boxen am unkompliziertesten. Sativa-dominante Sorten brauchen mehr Platz nach oben und längere Blütezeiten.
Eine gefilterte Übersicht findest du unter Cannabis-Stecklinge. Alle Sorten gibt es bei uns als bewurzelten Stecklinge und Jungpflanzen.
Der Geruch
Spätestens ab der Blüte riechen die Pflanzen deutlich. Ein Aktivkohlefilter am Abluftventilator ist die einzige zuverlässige Lösung. Duftsprays überdecken nichts, sie mischen nur.
Der Platzbedarf in Zahlen
Eine ausgewachsene Pflanze im 15-Liter-Topf beansprucht etwa 45 × 45 cm Grundfläche. Für die gesetzlich erlaubten drei Pflanzen wären entsprechend rund 90 × 90 cm zu empfehlen — das ist zugleich eine der gängigen Zeltgrößen.
Die Höhe wird häufiger zum Problem als die Fläche. Rechne von unten: 20 cm Topf, 100 bis 150 cm Pflanze, ca. 20-30cm Abstand zur Lampe, 20 cm Lampe und Aufhängung. Bei einem 160-cm-Zelt bleibt für die Pflanze weniger Raum, als die Zeltmaße vermuten lassen, allerdings können die Pflanzen auch runtergebunden werden, oder mit Low-Stress-Training (LST) und Pflanznetzen niedrig gehalten werden.
Luftführung — der meistunterschätzte Punkt
Ein Ventilator sorgt nicht nur für Kühlung. Bewegte Luft kräftigt den Stängel, senkt die Luftfeuchte direkt an den Blättern und macht es Spinnmilben und Schimmel schwerer. Richte ihn nicht direkt auf die Pflanze, sondern so, dass die Blätter sich leicht bewegen.
Zusätzlich braucht die Box einen Luftaustausch: Frischluft rein, verbrauchte Luft raus. Ohne Abluft steigt die Luftfeuchte in der Blüte unweigerlich — und damit das Schimmelrisiko. Wie sich das auf die Ernte auswirkt, steht unter Blütezeit und Erntezeitpunkt.
Häufige Indoor-Probleme und ihre Ursache
- Lange, dünne Triebe mit weiten Abständen: zu wenig Licht oder zu großer Lampenabstand.
- Gebleichte Spitzen direkt unter der Lampe: Licht zu nah.
- Blätter zeigen nach oben wie gefaltet: zu warm.
- Schimmel in dichten Blüten: Luftfeuchte zu hoch, Luft steht.
- Pflanze blüht nicht trotz 12/12: Lichtleck in der Dunkelphase.
Alle acht typischen Fehler mit Symptom und Korrektur stehen unter Die häufigsten Anfängerfehler.